Ziel und Hintergrund

Um tiefere Einblicke in die Erwartungen der Zuschauerinnen und Zuschauer an das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu erhalten, hat das Grimme-Institut in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) und dem Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (DIID) Interessierte eingeladen, sich an einer Online-Diskussion zur Zukunft des Fernsehens zu beteiligen. Inspiriert von der übergeordneten Frage, ob der Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens noch zeitgemäß ist, wurden Anmerkungen, Lob und Kritik zu Technik, Programm und Struktur sowie konkrete Vorschläge für das Fernsehen der Zukunft gesammelt.

Die Einladung an die Zuschauenden, sich mit ihren Einschätzungen zu Wort zu melden, ist geeignet, die Offenheit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens für Kritik und neue Ideen zu zeigen und eine breite gesellschaftliche Reflexion über Funktion und Leistung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens anzustoßen. Die Ergebnisse der Diskussion werden am 27. Mai auf einer Tagung mit Verantwortlichen aus den Rundfunkanstalten und Vertreterinnen der privatwirtschaftlich organisierten Medienbranche, Wissenschaft und Politik vorgestellt. Die Tagung ist eine Gelegenheit, einen Dialog zwischen Gesellschaft und öffentlich-rechtlichen Anstalten zu beginnen, in dem die Zuschauenden in der Auseinandersetzung mit den Fernseh-Verantwortlichen ihre kollektiv erarbeiteten Anliegen weiter schärfen und Responsivität einfordern können.

Drei-Phasen-Projekt

Sammlung Ideen & Meinungen:

24.11.20 bis 10.1.21.

Im Fokus: Unterhaltung, Information, Zugang, Neue Themen



Erneute Diskussion: 1.2.21 bis 14.2.21.

Fragen: Wie geht Fernsehen für alle? Was läuft im Fernsehen? Wie wird Fernsehen mitgestaltet?



Abstimmung: 1.3.21 bis 14.3.21

zu ausgewählten Thesen und Vorschlägen

Im Gegensatz zu den Erkenntnissen, die in Bevölkerungsumfragen typischerweise generiert werden können, können durch das Diskussionsformat nicht nur die grundsätzlichen Positionen und konkreten Bewertungen, sondern auch die Argumente dazu sichtbar gemacht werden. Da in Diskussionen unter Gleichen durch die direkte und für alle Mitdiskutierenden sichtbare Konfrontation der Positionen und Argumente auch Meinungsbildungsprozesse in Gang gesetzt werden – etwa indem bestimmte Begründungen als überzeugend wahrgenommen oder Vorschläge kollektiv abgelehnt oder akzeptiert werden -, ist das Diskussionsformat besonders gut geeignet, um die Komplexität der Sichtweisen offen zu legen. Was hier artikuliert wird, muss auch der öffentlichen Kritik standhalten. Auch bestehende Konfliktlinien zwischen zwei oder mehr Meinungslagern treten in dieser Konfrontation besonders klar zutage.

Das Beteiligungsverfahren war in drei Phasen unterteilt, um die Diskussion zu strukturieren und im Verlauf des Beteiligungsprozesses zu abstimmungsfähigen Verbesserungsvorschlägen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen zu kommen. Die Teilnehmenden sollten sich in einer längeren ersten Phase zu den Themengebieten „Information“, „Unterhaltung“ und „Zugang und Nutzung“ äußern und untereinander austauschen. Zu jedem Themengebiet wurden mehrere konkrete Leitfragen formuliert, um eine konstruktive Diskussion zu ermöglichen. Unter anderem ging es um die wahrgenommene Ausgewogenheit von Nachrichtensendungen, die Qualität von Unterhaltungsshows oder die Zukunft linearen Fernsehens.

Ein nicht inhaltlich festgelegter Bereich sollte neue Diskussionsbeiträge zu weiteren, von den Teilnehmenden definierten Themen ermöglichen. Jeder Beitrag konnte von den anderen unmittelbar positiv oder negativ bewertet oder aber durch einen eigenen Textbeitrag kommentiert werden. Alle Beiträge dieser ersten Phase wurden in einem kooperativen Verdichtungsprozess von Expertinnen aus dem Grimme-Institut und dem DIID zu Kernaussagen synthetisiert und – sofern zu einem Diskussionspunkt grundsätzlicher Konsens deutlich geworden war – für die Abstimmung in der dritten Phase vorgemerkt. Positionen und Argumente, die in der ersten Phase besonders kontrovers waren, wurden pointiert zusammengefasst und für die etwas kürzere zweite Phase nochmals zur Diskussion gestellt. Diese wurden entlang der offen gebliebenen Konflikte in die Themenbereiche „Wie geht Fernsehen für alle?“, „Wie wird Fernsehen mitgestaltet?“ und „Was läuft im Fernsehen?“ gegliedert.

Die Leitfragen, die innerhalb der Themenbereiche die Diskussion anregen und strukturieren sollten, befassten sich etwa mit regionalen Inhalten, mit Mediatheken und Youtube sowie mit Präferenzen für bestimmte Genres. Auf diese Weise konnten die Diskussion noch vertieft und weitere konstruktive Ideen für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gesammelt werden. Die Diskussionen und die geäußerte Kritik waren vielfältig und anregend. In der zweiten Phase, die hier bereits mitverarbeitet ist, wurden zahlreiche konkrete Verbesserungsvorschläge gemacht. Diese können in diesem ersten knappen Ergebnisüberblick nicht vertieft berücksichtigt werden. In der dritten und letzten Phase fand der Meinungsbildungsprozess in Form einer Abstimmung statt. Die Ergebnisse werden gegenwärtig ausgewertet.

Die Teilnehmenden wurden überwiegend über die Verteiler vom Grimme-Institut, des Deutschen Volkshochschul-Verbands und der Bundeszentrale für politische Bildung rekrutiert. Einige Interessierte sind auch durch Pressemitteilungen und Medienberichterstattung auf das Beteiligungsverfahren aufmerksam geworden. Als Zielgruppe für die Diskussion zwischen Zuschauerinnen und Zuschauern waren Menschen zwischen Anfang 20 und Mitte 50 avisiert worden, da sowohl die Digital Natives als auch diejenigen angesprochen werden sollten, die ihre Mediensozialisation mit linearem Fernsehen erlebt haben und jetzt die digitale und die analoge Fernsehwelt kennen.

Durch die stark verteiler-basierte Ansprache war die genaue Zusammensetzung der Teilnehmenden nicht zu steuern. Es liegen auch keine Informationen zu Geschlecht, Alter oder Bildungsabschluss vor. Es ist davon auszugehen, dass Personen mit ausgeprägtem Interesse für öffentlich-rechtliches Fernsehen überrepräsentiert sind. Dazu gehören, so zeigt der Verlauf der Debatte, sowohl Kritiker als auch Unterstützer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Da das Beteiligungsverfahren die Breite an Sichtweisen in der Bevölkerung einfangen und nicht die genaue Verteilung dieser Sichtweisen ermitteln sollte, spielt die Repräsentativität der Teilnehmenden hier keine Rolle. Es muss aber klar sein, dass Aussagen über die Verbreitung bestimmter Sichtweisen in der Gesamtbevölkerung mit den vorliegenden Daten nicht möglich sind.

Die Teilnehmenden mussten sich zunächst auf der Website mit ihrer E-Mail-Adresse registrieren, bevor sie für die Diskussion freigeschaltet wurden. Somit wurde eine gewisse Kontrolle der Teilnehmenden gewährleistet, und Trolle, die die Diskussion destruktiv hätten beeinflussen können, wurden möglicherweise abgeschreckt. Da in der Diskussion Nicknames verwendet werden durften, war eine Identifizierbarkeit der Teilnehmenden nicht gegeben. Eine Moderation durch mehrere, im Schichtbetrieb agierende Teams, die von der Bundeszentrale für politische Bildung finanziert und angeleitet wurden, sollte einen angemessenen Tonfall in der Diskussion gewährleisten und sicherstellen, dass alle Beiträge ernst genommen werden. Weiter sollte die Moderation Hintergrundinformationen von Dritten verfügbar machen und bei Unklarheiten und Widersprüchen nachhaken sowie Querverbindungen zwischen verschiedenen Beiträgen sichtbar machen, um so den Dialog zu unterstützen.